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NFP57: Mobilfunk-Strahlungsmessung mit dem Zufallsgenerator

Wie der Verharmlosungsbeauftragte des Bundesrates das Volk für dumm verkaufen möchte.

von Hans-U. Jakob, 30.5.2011

Bei seiner Qualifex-Studie habe die persönlichen Messung bei 144 Baslerinnen und Baslern, die während je einer Woche ein sogenanntes Dosimeter auf sich trugen, eine durchschnittliche Strahlenbelastung von nur gerade 0.22V/m (Volt pro Meter) ergeben schreibt Dr. Martin Röösli im nationalen Forschungsprogramm NFP-57.

Diese Feststellung, dass die 144 Teilnehmenden einer durchschnittlichen Strahlenbelastung von nur gerade 0.22V/m ausgesetzt gewesen seien, nützt natürlich den Hunderten oder gar Tausenden von andern Baslerinnen und Baslern, die im 5. Oder 6. Stock wohnen und eine Mobilfunkantenne direkt vor die Nase, respektive auf das Nachbardach gesetzt erhielten, rein gar nichts.

Denn hier beträgt die Strahlenbelastung in einer Wohnung, wo sich Otto oder Ottilia Normalbürger mindestens 12 bis 24 Stunden im Tag aufhält, bei weitem nicht nur 0.22V/m sondern zwischen 3.3 und 7.34V/m und das allein verursacht durch einen einzigen Mobilfunksender.




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Bild oben: So festgestellt, protokolliert und überwiesen, nicht von einem behördlich verschmähten Baubiologen, sondern von einer sogenannt akkreditierten Messfirma, anlässlich einer sogenannten Abnahmemessung nach Inbetriebnahme einer bewilligten Antenne.

Die Werte der Strahlung in 3 Wohnungen im 5. und 6. Stockwerk bei aktueller Sendeleistung des benachbarten Mobilfunksenders finden Sie in Zeile 11. Die Strahlung, wenn die Betreiber auf die behördlich bewilligte Sendeleistung hochfahren in Zeile 12. Die Adressen der Wohnungsinhaber in Zeile 9 wurden aus Datenschutzgründen ausradiert.

Diese Messung ist nicht etwa ein Einzelfall, sondern trifft auf hunderte von andern Betroffenen ebenfalls zu.


Qualifex_1.jpgBild links:
Im Vergleich zu der amtlichen Abnahmemessung sehen Sie hier Rööslis Durchschnittswerte aus der Dosimetrie. Eine Verwässerung par excellence.

Röösli entlarvt sich jedoch in seiner Studie gleich mehrfach selbst als höchst ungeschickter Verharmloser.

Das Dosimeter sei im Rucksack getragen worden, schreibt er. Das ist natürlich schon mal grundfalsch. Denn am Rücken getragen erfasst das Dosimeter nur knapp 20% der auf den Körper einfallenden Strahlung. Der Rest wird entweder vom Körper wie von einer Betonmauer abgeschirmt wenn die Strahlung von vorne einfällt oder seitlich durch die schlechte Isotropie (Richtungsabhängigkeit) des Dosimeters selbst. Ein Dosimeter gehört in den Hut und der Dosimeterträger muss dabei nach spätestens jedem 3. Schritt eine Drehung von 360° um die eigene Achse machen. Sonst wird das nichts.

Dann sei ein Messintervall von 90 Sekunden programmiert worden. Wenn man sich überlegt, welche Strecke selbst ein Fussgänger in 90Sekunden zurücklegt und dazu noch in den Strassenschluchten einer Grossstadt, dann ist nach Ablauf dieser 90 Sekunden, zum Zeitpunkt der Messung, alles möglich. Völlig abgedeckt durch Häuser und Dächer bis hin zur vollen Sichtverbindung zu einer oder mehrerer Antennen. Das heisst von 0.05V/m bis zu 5V/m. Das Dosimeter verkommt hier zum reinen Zufallsgenerator.

Über die Grundgenauigkeit des Dosimeters schreibt Röösli ebenfalls nichts. Das macht bisher nur ein einziger Hersteller solcher Geräte und dieser spricht von ±60%. Weil dies der Einzige ist, der etwas dazu sagt, muss angenommen werden, dass dies auch der Beste ist und alle andern, auch derjenige der in der Studie verwendeten Geräte somit weitaus schlechter sind.  Röösli macht einzig Angaben dazu welche Quellen an der Gesamtexposition gemessen wurden. Insgesamt 12 Kanäle von Radio- und Fernsehstationen, von Handy-Sendern, von Handys selbst, von schnurlos-Telefonen und von WLAN-Routern. Rössli macht auch keine Angaben zu den unterschiedlichen Messfehlern bei den unterschiedlichen Frequenzen.

Röösli schreibt einzig, der tiefste der gemessenen Durchschnittswerte habe 0.07V/m und der höchste 0.58V/m betragen. Und dass diese Werte sehr schön mit dem Basler Immissionskataster übereinstimmen würden.

Kein Wunder. Denn dieser Kataster wurde durchwegs 1.5m über Boden erhoben. Also unten in den Strassenschluchten. Meist ohne Sichtverbindung zu einem Mobilfunksender. Sehen Sie dazu nach unter /basler-immissionskataster-eine-plumpe-faelschung/


Qualifex_2.jpgBild links:
Verglichen mit den Werten der amtlichen Abnahmemessung in Bild 1, ergeben auch diese Werte in Rööslis Studie ein falsches, komplett verwässertes Bild.


(Achtung vor jeder Zahl steht ein Punkt. Es heisst also 0.xV/m)

Auch die  Kontrollmessungen des Lufthygieneamtes beider Basel mit einem Messgerät von der Genauigkeit in der Mittelklasse, dem SRM-300 von NARDA gemessen, nützen nichts, wenn in den falschen Wohnungen (zu weit weg oder zu weit unten) gemessen wird.  Die Punkte in dieser Grafik entsprechen dem Resultat aus je 7 Messpunkten pro Wohnung. An und für sich einem guten Mix, der aber auch auch mit den Werten in Bild 1 überhaupt nicht übereinstimmt. Vergleiche Schlafzimmerwerte in Bild 1.(!)

FAZIT: 144 Teilnehmer mit einem fragwürdigen Dosimeter auszurüsten, welches wie ein Zufallsgenerator funktioniert und daraus auf die Strahlungswerte zu schliessen, welchen die restlichen 386‘000 Baslerinnen und Basler ausgesetzt sind, hat mit exakter Wissenschaft nichts zu tun. Das ist Unfug im Sinne von Wahrsagerei und Kaffeesatzlesen. Oder aus Qualifex wurde Quatschifex gemacht.

So verwundert es einem kaum, dass sich die Nationalfonds-Gewaltigen strickte weigern, die Inhalte der 42 Forschungsarbeiten des NFP-57 herauszugeben und schon gar nicht in deutscher Sprache.

Näheres dazu unter:

/nfp-57-die-oeffentliche-informationsveranstaltung/ und

/veruntreut-der-nationalfonds-millionen-an-steuergeldern/

Nicht die Handys sind das Problem, sondern die Mobilfunksender auf den Nachbardächern, die ununterbrochen 24 Stunden am Tag in die Wohnungen hineinbraten. Lediglich von morgens 2 bis 4 Uhr leicht reduzierter.

Von Hans-U. Jakob

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