SRF misst Mobilfunkstrahlung mit dem Thermometer
Obschon BERENIS, die offizielle Beratergruppe des Bundesrates bereits in ihrem Sondernewsletter vom Januar 2021 öffentlich bekanntmachte, dass Mobilfunkstrahlung bereits im Bereich der Schweizer Vorsorge-Grenzwerte zelluläre und subzelluläre schädliche Effekte, wie Schäden am Erbgut hervorrufen kann, behauptet in der Sendung Echo der Zeit vom 29.Juni 2026 die Wirtschaftsredaktion von srf, ausser einem klitzekleinen Häuchlein von Erwärmung gebe es da nichts.
Hier abrufbar: (https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/5g-strahlung-laesst-sich-mit-einer-handy-app-messen?partId=JyT8o5tp50sAxlhaJ_-jyKNWEkI#autoplay)
Warnung an Fachleute: Achtung, diese Sendung kann zu schweren Lachkrämpfen führen.
Einige Auszüge aus dem Script zur Sendung
Mit Anmerkungen von Hansueli Jakob
NIS-Fachstelle von Gigaherz.ch
Lanzenhäusern, 8. Juli 2026
Anmoderation Ivan Lieberherr
5G-Antennen decken heute praktisch die ganze Schweiz ab. Diese neueste Generation von Mobilfunkantennen kann riesige Datenmengen viel schneller übertragen als ihre Vorgänger. Immer wieder ein Thema ist die Strahlung dieser 5G-Antennen mit Blick auf mögliche gesundheitliche Folgen.
Das besprechen wir gleich. Zuerst gehen wir aber der Frage nach, wo es überhaupt strahlt und wie stark. Mit einer neu entwickelten App kann man das mittlerweile selber messen.
Hansueli Jakob:
Ja potz tuusig. Da fuhrwerken Ingenieure mit Hochschulabschluss seit Jahren mit Messgeräten und Messantennen in der Grössenordnung ab Fr. 30’000 in der Gegend herum und können die im Millisekunden-Takt herumrotierenden 5G Datenbeams immer noch nicht messen, sondern müssen zu komplizierten Hochrechnungsmodellen greifen, falls sie mit ihren sündhaft teuren Messeinrichtungen eventuell einen der etwas langsamer herumrotierenden Such-Beams erwischen können.
Alle Mühe und Millioneninvestitionen sind offensichtlich umsonst gewesen, denn jetzt kommt Prof. Dr. Martin Röösli und macht alles mit dem Handy. Es ist lediglich eine entsprechende App herunterzuladen.
Was sind wir doch alles für Idioten gewesen?
Anita Vonmont Wirtschaftsredaktorin srf:
Wir sind im Basler Bachlettenquartier, in einem bahnhofsnahen grünen Wohngebiet. Neben mir steht Martin Röösli, Professor für Umweltepidemiologie der Uni Basel. Er hat in einem EU-Forschungsprojekt die erste App mitentwickelt, mit der man europaweit messen kann, wie viel man von der Mobilfunkstrahlung an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit gerade aufnimmt.
«Etain 5G Scientist» heisst diese App, die vorläufig nur auf Android-Geräten läuft. Martin Röösli zückt sein Handy und öffnet sie.

Bild oben: Im Bachlettenquartier. Mobilfunk-Sendeantenne am oberen Bildrand
Prof. Dr.Martin Röösli:
Wir sehen, dass wir hier fast ausschliesslich vom Handy bestrahlt werden. Die Belastung beträgt etwa 20 mW pro Kilogramm Strahlungsleistung, das heisst so stark strahlt das Handy hier und so viel Strahlung würde vom Kopf absorbiert werden, beim Telefonieren mit dem Handy am Ohr.
Hansueli Jakob:
Achtung jetzt kommen wir der Sache auf den Grund. Der Herr Professor spricht von Milliwatt pro kg Körpergewicht. Das ist keine Masseinheit für Mobilfunkstrahlung sondern für den Wärmeeintrag in den menschlichen Körper. Etwa auch SAR-Wert genannt. Um den menschlichen Körper mit 20mW pro kg Körpergewicht zu erwärmen, ist eine 1800MHz-Funkstrahlung mit einer elektrischen Feldstärke von 30V/m (Volt pro Meter) erforderlich. Die 30V/m sind dann etwa das, was jeder Amateur mit einem billigen Breitbandgerät auch messen kann, wenn das Handy gerade sendet.
Anita Vonmont Wirtschaftsredaktorin srf:
20 mW pro Kilogramm Körpergewicht. Was das Hirn hier von der Handystrahlung aufnimmt, ist im Vergleich zu sämtlichen Messungen der App bereits eine höhere Belastung. Dennoch entspricht sie nur 1% des EU-Grenzwerts und 10% des strengeren Schweizer Grenzwerts für sensible Orte wie Wohngebiete.
Die Grenzwerte haben also einiges an Sicherheitspuffer eingebaut. Werfen wir noch einen Blick auf die Antennenstrahlung hier. Die liegt massiv tiefer, nahezu bei Null.
Hansueli Jakob:
Falsch! In der Schweiz ist die offizielle amtliche Masseinheit für Mobilfunkstrahlung in V/m (Volt pro Meter) anzugeben.
Der Grenzwert für Kurzzeitaufenthalt beträgt in der Schweiz 50V/m und für Daueraufenthalt 5V/m. Nehmen wir grosszügigerweise den Grenzwert für Kurzzeitaufenthalt von 50V/m, dann sind 30V/m nicht 1 und auch nicht 10, sondern recht bedenkliche 60%.
Und vergleichen wir den Schweizer Grenzwert für Daueraufenthalt, welcher 5V/m beträgt, sind wir mit den 30V/m vom Handy am Kopf schon bei einer unakzeptablen Grenzwertüberschreitung um das 6-Fache.
Prof. Dr. Martin Röösli einige Augenblicke später:
Also man sieht hier einige Antennen gerade ums Stadion herum, die die direkte Sichtverbindung haben. Und insbesondere, wenn man direkte Sichtverbindung hat und etwa 200-300 Meter von einer Antenne entfernt ist, wie wir das jetzt sind, dann ist typischerweise das Signal am stärksten. Auch für die Hotspots der Antennenstrahlung gilt, selbst diese Strahlung ist noch deutlich unter dem Grenzwert und wenn man vergleicht mit einem Handy am Ohr, ist sie um Grössenordnungen tiefer, also Faktor 10 bis 100 mal tiefer.
Hansueli Jakob:
Ja was gilt denn jetzt? 10mal oder 100mal tiefer und von was denn? Von den 20mW/kg oder von den 30V/m? und bei welcher Distanz denn genau, bei 200 oder 300m? Und bei welchen Sendeleistungen und welchen Senderichtungen weisen denn die hier sichtbaren Mobilfunk-Sendeantennen was genau auf? Und seit wann zum Teufel, ist die Strahlung nach 200 -300m am stärksten?
Herr Röösli Ihre App ist etwa gleich viel Wert wie ein an die Wand genagelter alter Kalberhälslig für die Wetterprognose. (Kalberhälslig ist der Fachausdruck für Anbindestrick eines Kalbes) Und funktioniert wie folgt: Wenn er pendelt dann stürmt es, wenn er tropft dann regnet es und wenn er unsichtbar ist hat es dichten Nebel.
Dann wollen wir das doch lieber mal nachrechnen:
10 mal tiefere SAR, also nur 2mW/kg wären dann umgerechnet 9V/m.
10 mal tiefer als 30V/m wären dann 3Vm
Oder:
100 mal tiefere SAR, also nur 0.2mW/kg wären dann umgerechnet 3V/m.
100 mal tiefer als 30V/m wären dann 0.3Vm
Ja was denn nun? Haben wir in 250m Distanz zu einigen Antennen 9 oder 3 oder 0.3V/m und welcher Grenzwert ist anwendbar 50V/m (bei Kurzzeitaufenthalt) oder 5V/m (bei Daueraufenthalt)?
Das ist ohnehin alles Unsinn. Denn uns interessieren die Distanzen von 250m viel weniger als diejenigen von 50m. Das heisst von Wohnungen in 50m Distanz im 4. oder 5. Obergeschoss mit Sichtverbindung.
Da haben wir dann schon manchmal Strahlungswerte von über 7V/m gesehen. Für Daueraufenthalt erlaubt wären jedoch nur 5V/m gewesen. Dann kam im Dezember 2021 der Bundesrat mit seinem grandiosen Weihnachtsgeschenk an die Mobilfunkbetreiber, in Form von Korrekturfaktoren für 5G-Antennen. Das heisst auf einen Paukenschlag musste bei 5G-Antennen in den Strahlungsprognosen 2.5 bis 10 mal weniger Leistung eingesetzt werden als effektiv benötigt. Dies weil es bei 5G zwischen den Daten- und Such-Beams Lücken und Pausen geben würde. Alles haarklein beschrieben unter https://www.gigaherz.ch/5g-bundesrat-legalisiert-volksbeschiss/
Weil dies, wie in hunderten von gerichtlichen Beschwerdeverfahren nachgewiesen, immer nicht überall ausreichte um die Strahlungsprognosen unter den Grenzwert von 5V/m zu drücken, musste Bundesrat Albert Rösti im November 2024 zu einem weiteren Trick greifen. Die Dämpfungsfaktoren aus der Abweichung zur Senderichtung, bisher infolge der Reflektionen auf 15dB beschränkt, wurden in einer hinterlistigen Änderung der Vollzugsempfehlungen auf 30dB erhöht. Hinterlistig deshalb, weil 15dB einen Faktor 32 bedeuten und 30dB einen Faktor 1000. Wer weiss denn schon sowas?
Anita Vonmont Wirtschaftsredaktorin srf:
Ich denke, weil viele Leute heute auf einem falschen Wissensstand sind. Befragungen in der EU und der Schweiz zeigen nämlich, eine Mehrheit nimmt an, seit 5G strahle es stärker. Grosse Messkampagnen zeigen aber, seit 5G ist die Mobilfunkstrahlung wegen der effizienteren Technik praktisch gleich geblieben, trotz des Datenzuwachses.
Und die neue App, die kann da zumindest etwas Transparenz schaffen. Das ist ja eigentlich kein Messgerät, auch wenn ihre Berechnungen mit richtigen Messungen offenbar einigermassen übereinstimmen. Und dann noch etwas Letztes.
Martin Rösli sagte mir, er hoffe, dass mit dieser App auch geforscht werde
Hansueli Jakob:
Nach diesem Cabaret, das sie hier veranstalten, wollen sie vielen Leuten vorwerfen, sie seien auf einem falschen Wissensstand. Wirklich ein starkes Stück. Empfehlenswerter Stoff für Ursus und Nadeschkin
Und die Berechnungen der neuen APP würden mit richtigen Messungen einigermassen übereinstimmen.
Ja, wenn Sie den Begriff «einigermassen» mit «10 bis 100mal daneben» deklarieren, stimme ich ihnen gerne zu.
Und Prof. Dr. Martin Röösli möge gerne mit dieser App weiterforschen, damit sichergestellt wird, dass wir von Gigaherz auch in Zukunft etwas zum Lachen haben.

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