Neue Stromzähler – Sind die wirklich smart ?
Seit vier Monaten haben wir die neue Segnung im Haus. Zum Ablesen des Stromverbrauches kommt niemand mehr ins Haus – der Computer meldet alles still und leise und automatisch. Natürlich schaut man sich das als interessierter Bürger etwas genauer an.
von André Masson
Langenthal, 10. Juli 2026
Die Stadt Langenthal betreibt eigene Stadtwerke namens IBL – Industrielle Betriebe der Stadt Langenthal. Man hat dort Zähler vom Typ ISKRA, AM550, Slowenien gewählt, und das Gateway von Vivavis, Baden-Dättwil, KEG 4.0. Gateway: Das ist eine Zentrale, welche die Stromzähler sowie die Schaltmöglichkeiten für schwere Lasten, für WP, PV, Elektro-Autos mit den IBL verbindet. Die grosse Frage war: Wie werden die Daten übermittelt ? Ja klar, mit Mobilfunk natürlich – ist doch praktisch, Antennen hat’s ja überall. Und wie oft spüren die Leute in der untersten Wohnung jetzt die neuen smarten Sendungen aus dem Keller ?
Das Bundesamt für Energie sagt, exakt wie die IBL: Typischerweise einmal pro Tag. So stand es auf der Seite des BFE kurz vor der Abstimmung zum Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien, wo diese intelligenten Mess-Systeme juristisch verankert werden, und so steht es heute noch dort, unter Intelligente Netze (Smart Grids) und intelligente Messsysteme (Smart Metering), dort unter «Smart Meter Intelligente Stromzähler, kurz erklärt» Seite 6.
«Einmal im Tag»: Bei viel Sonnenschein erhalten die Elektro-Boiler um 14h den Befehl zum Aufladen, statt erst nachts. Grosse PV-Anlagen wollen sie bei Stromüberschuss sogar ferngesteuert abschalten. Und die Elektro-Autos können dann aufgeladen werden, wenn es viel Strom hat. Bald können wir unseren Strom auch fremd-bestellen wenn es im Jura viel Wind hat, das braucht minutengenaue Abrechnungen – so wurde uns das alles erklärt, weshalb wir Smartmeters benötigen. Und alle diese Kommandos sollen mit nur einer einzigen Sendung pro Tag zu machen sein ? Wie die Wolken kommen und gehen… wird wohl einen Tag zum Voraus amtlich exakt festgelegt ? Das ist ganz absurd, es ist unmöglich!
So interessiert es denn schon, was da hin und her gesendet wird.
Bei uns hat sich ergeben: Alle 45 Minuten gibt’s eine Sendung, Tag und Nacht. Das ist aber ohne PV-Anlage, ohne Elektro-Auto, ohne fremden Strom. Das ist nur zum Warmhalten der Verbindung, die eigentlichen und sinnvollen Kommandos kommen noch zusätzlich. Das macht 32 Leer-Sendungen je zu ca. 10 Sekunden pro Tag, also nicht nur eine Sendung pro Tag. Die behördlichen Aussagen sind vollkommen falsch.
Nun bleibt’s aber nicht bei dem. Die Swisscom-Antenne in 200 m Entfernung bedient ja nicht nur unser Haus allein, sondern… sehr, sehr viele Häuser!! Überall hat’s Stromzähler drin, die kommunizieren müssen, wenn sie an der Reihe sind. Unser Haus spürt nicht nur unsere eigenen Sendungen, sondern auch die grosse Antenne gegenüber. Das gibt einen sprunghaften Mehrverkehr, das wird sich in den Geschäftsberichten der Mobilfunk-Firmen sehr positiv auswirken – und wir müssen wieder mehr Antennen bauen. In Lotzwil, Madiswil, Melchnau ist nur eine einzige Antenne im Dorf – die muss sämtliche Häuser im Dorf bedienen! Elektro-empfindliche Anwohner werden sich freuen!
Der Unsinn steigert sich noch, es ist kaum vorzustellen. IBL hat sich löblicherweise sehr Mühe gegeben, möglichst überall Glasfasern zu verlegen. Es musste schnell gehen, möglichst schneller als bei den Swisscom-Glasfasern. Das wird etwas mit Abonnementen und mit Geld zu tun haben. Die Hausbesitzer mussten rein nichts bezahlen, einfach ein Papier unterschreiben, und erhielten völlig gratis (sieht man von den Steuern ab) eine Glasfaser ins Haus. Erwartet wird, dass man das Abonnement bei der IBL-nahen Firma Quickline oder Renet bezieht. Will man das nicht, d.h. will man die Swisscom-Programme, so muss man den Glasfaser-Anschluss nachträglich selber bezahlen!
So geht das also: Hier in unserem Haus gibt es vier Wohnungen, wir haben aber fünf Glasfasern erhalten. Die fünfte ist exakt für solche technischen Anwendungen gedacht – wie z.B. das Auslesen von Stromzählern. Aber sie wird gar nicht benutzt. Sie ist schon da, aber man hat Mobilfunk gewählt. Der Wasser-Zähler kommt dann später auch noch dazu, der Gaszähler ebenfalls, das wird dann alles auch noch am Mobilfunk angehängt. Die Sendungen dauern dann länger.
Die Stromzähler laufen beim Mobilfunk über LTE. Das war einmal die modernste Form – heute ist es nach Abschaltung von UMTS die älteste Technik. Wenn die einmal abgeschaltet wird, müssen in jedem einzelnen Keller die Stromzähler wieder umgebaut werden! Und das nächste Mal schon wieder. So ein Chabis – über die Glasfaser hätte man Ruhe gehabt. Aber wir zahlen das ja gerne, auf der Strom-Rechnung gibt’s neu einen Posten für die Messung.
Hier noch eine «wissenschaftliche» Rechnung oder Abschätzung zur Strahlenbelastung. Die Mobilfunk-nahe Forschungsstiftung Mobilkommunikation kommt bei den Smart Meters zum Schluss:
«Ein einziges kurzes Gespräch mit dem Mobiltelefon exponiert den Körper mehr als es ein funkbasierter Smart Meter über seine gesamte Lebensdauer tut.» Das tönt ja beruhigend ?
32 mal 10 Sekunden gibt pro Tag 5 Minuten lang Leer-Sendungen. Gibt pro Jahr 1800 Minuten oder 30 Std. Sendebetrieb. Gibt in zehn Jahren 300 Std. Sendung im Keller. Ein kurzes echtes Gespräch mag eine Minute dauern. Von der Zeitdauer her wirkt die Smart-Meter-Belastung somit Faktor 18’000 mal länger als der kurze Anruf der Forschungsstiftung. Nicht berücksichtigt sind die zusätzlichen sinnvollen Sendungen, die Abstände, die Anzahl der Zähler im Keller (vergrössert die Dauer einer Sendung, gemäss Gateway-Hersteller), sowie die über das ganze Dorf sich ergiessende Strahlung der Quartierantenne, welche die weiteren Häuser bedient. Das braucht man offenbar alles nicht anzuschauen, wenn man nur richtig genug forscht, so wie es die Forschungsstiftung eben tut.
Noch ein letztes Müsterli: Man darf die Daten der intelligenten Zähler graphisch aufbereitet anschauen können, so verlangt es der Bund. Ich hab’s versucht, es geht nicht. Man muss sich anmelden, identifizieren, mehrfach-authentifizieren – da bin ich gescheitert, denn eine Telephon-Nummer per Festnetz zählt heute nicht mehr als Telephon-Nummer, sie wird vom Computer nicht mehr anerkannt (so auch schon beim Kanton erlebt). Man muss ein Handy haben, sonst sind die Bundesvorschriften für die Katze. Miau! In welchem Gesetz steht eigentlich geschrieben, dass die Benutzung eines Smartphones heute obligatorisch sei ??


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