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Episode Nr.4 – Die Steilstrahlsender

Hansueli Jakob (88) befasst sich seit 38 Jahren mit Ursachen (Quellen) der Wirkung elektromagnetischer Feldstärken auf die menschliche Gesundheit. Er war auch Gründungsmitglied von Gigaherz.ch im Jahr 2000 und anschliessend während 24 Jahren  Präsident dieses Vereins. Obschon die Mobilfunk-Lobby immer wieder von Neuem ihr Rufmord-Kommando in München auf ihn loslässt, lässt er es sich nicht nehmen, hier die wichtigsten Episoden aus seinem langen, oft stürmischen  Leben zu erzählen. Hier die Episode Nr.4, von den geheimen Steilstrahl-Sendern,. Frei aus dem Gedächtnis erzählt. Auch wenn diese nicht der offiziellen staatlichen Geschichtsschreibung entspricht.

Publiziert bei Gigaherz.ch am 5.September 2026

Es war irgendwann Anfangs der 90er Jahre, als ich eines Abends einen Telefonanruf eines ziemlich aufgeregten Lokalpolitikers aus der Lenk im Simmental bekam. Er habe gehört, dass ich in Schwarzenburg den Kurzwellensender vermessen würde. Ob ich auch einmal an die Lenk kommen würde. Er habe nämlich festgestellt, dass es rund um den Kurzwellensender Lenk von Schweizer-Radio-International auffallend viele Krebsfälle gebe.
«Was ist jetzt das für ein Spinner», dachte ich mir. Ein Gross-Kurzwellensender in diesem engen Bergtal. Das ist funktechnisch gar nicht möglich, denn internationale Kurzwellensender, das wusste ich doch von dem unserigen in Schwarzenburg, strahlen waagrecht ab, um in möglichst wenigen Hopsen ihre Zielgebiete zu erreichen. «Die kommen doch gar nicht aus diesem relativ engen Bergtal hinaus, völlig unmöglich». Weil ich immerhin ein Mitglied des Grossrates am Draht hatte, die normalerweise nicht spinnen, versprach ich ihm, mir die Sache an einem der nächsten Sonntage anzuschauen.


Bild oben: Die Jonosphäre ist eine elektrisch leitende Schicht in 250 bis 400 km Erdentfernung. Kurzwellenstrahlung wird waagrecht abgestrahlt, folgt der Erdkrümmung nicht und wird von der Jonosphäre auf die Erde zurückreflektiert. Von da wieder an die Jonosphäre und wieder zurück auf die Erde usw. Immer Einfallwinkel = Ausfallwinkel.
Dank der Jonosphären-Reflektion konnte von der Ebene von Mamishaus aus mit einigen 100Kilowatt, praktisch jeder Punkt auf der Erde mit Swissness besendet werden. In 4 Hopsen sogar bis Neuseeland. Die einigen hundert Kilowatt an elektromagnetischer Hochfrequenz-Strahlung taten der Gesundheit der Anwohnerschaft jedoch gar nicht gut. Die Lebenserwartung sank beträchtlich.
Das ist das, was ich von Schwarzenburg her wusste.

Der Augenschein an der Lenk
Also packte ich an einem spätherbstlichen Sonntagmittag meine Familie mitsamt Familendackel und Messgeräten ins Geschäftsauto zu einem Familien-Ausflug ins Berner-Oberland. Bei den damaligen Verkehrsverhältnissen ging das noch.
Während sich die Familie in der Lenk mehr für das Rohreseeli interessierte, machte ich mich auf die Suche nach dem Kurzwellensender in den Blätzen.
Beim Anblick der Sendeantennen, war mir auf den ersten Blick klar, wie die aus dem relativ engen Bergtal in die Welt hinaus strahlten. Die hatten ganz einfach die sonst waagrecht strahlenden Sendeantennen um 90° gedreht und strahlten nun senkrecht nach oben.  Der Direktor (Strahler) befand sich zwischen 2 Masten aufgehängt, in einer geschätzten Höhe von 20m und ein Reflektorgitter senkrecht weiter unten auf ca 5m über Boden. Dazwischen eine halbe Wellenlänge von 15m, was einer abgestrahlten Frequenz von ca 10Megahertz entspricht. Kopfrechnen Glücksache.
Die strahlten also tatsächlich senkrecht nach oben an die Ionosphäre, welche die Strahlung in ein weites geographisches Gebiet von einigen tausend Quadratkilometern wieder auf die Erde zurück-reflektiert. Bildlich etwa vergleichbar mit einem Wendrohr der Feuerwehr, welches senkrecht nach oben in ein bombiertes Hallendach hineinspritzt und damit das Wasser kreisförmig auf den Boden zurückverteilt..

Ich befand mich also an der Lenk in den Blätzen an der Mittelstrasse direkt neben und fast unter einer Kurzwellen Steilstrahl-Sendeantenne, wo auch einige Familien mit Kindern, mitsamt Grosseltern und Kleinkindern im Kinderwagen flanierten und die letzten Sonnenstrahlen dieses Spätherbsttages genossen. Mit meinem schweren Messgerät und vor allem mit der weissen, fussballgrossen kugelförmigen Messsonde, wurde ich entsprechend angestarrt. Besonders weil das Messgerät bei Überschreitung des Strahlungs-Grenzwertes von 30V/m zeitweise schrille Warntöne von sich gab. Unter den flanierenden Spaziergängern kamen mir auch zwei Männer mittleren Alters entgegen, die mich nicht nur anstarrten, sondern auch fragten, was die laute Pipserei da zu bedeuten habe. «Dass wir da gar nicht stehen dürften!» gab ich zur Antwort, die elektrische Feldstärke sei viel zu hoch, besonders für die Kleinsten im Kinderwagen und die Grosseltern dahinter. Es entstand eine interessante Diskussion anlässlich welcher man mir erklärte es gebe noch eine zweite solche Antenne auf der anderen Seite des Feldes an der Oberriedstrasse. Und dass die Schilderung des Grossrates mit den ungewöhnlich vielen Krebsfällen in der näheren Umgebung der Sendeanlagen, tatsächlich zutreffe.
Bilde oben: In den roten Kreisen die beiden Steilstrahl-Sender.

Dann wunderte ich mich darüber dass die Mittelstrasse in einer Länge von ca 100m im Bereich der Sendeanlage praktisch schwarz, weil voller Bremsspuren war. Ob da eine Autoreparaturwerkstatt ihre Bremsproben durchführe, fragte ich weiter. Oh nein, das seien die modernen Anti-Blokiersysteme (ABS) die jetzt bei neueren Wagen Standard seien. Wer mit mehr als Schrittempo bei der Antenne vorbeifahre riskiere, dass das ABS plötzlich unkontrollierbar die Räder blockiere. Viele wüssten das unterdessen. Nach Zwangshalt einfach Zündung kurz ausschalten, neu starten und weiterfahren.
Es sei jetzt dann gerade 15 Uhr und der Sender werde dann gemäss Sendeplan bis zur Abendsendung ausgeschaltet. Die beiden, anfänglich skeptischen Männer waren jetzt , als die Anzeige am Messgerät um 15.02 Uhr langsam auf Null sank und das Gerät keine Warntöne mehr von sich gab,  von meiner Messerei überzeugt. Sie stellten sich als Gemeinderäte der Gemeinde Lenk vor und nahmen sich gleich vor, das Thema Kurzwellensender auf die Traktandenliste der nächsten Gemeinderats-Sitzung zu stellen. Die ungewöhnlich vielen Krebsfälle dürften nun, da man Anhaltspunkte über die Strahlungsstärke habe, nicht mehr ignoriert werden.

Dann hörte ich während Monaten nichts mehr aus der Lenk, ausser einem unhöflichen Zeitungsartikel, nebst den Schwarzenburgern, würden jetzt auch die Lenker spinnen. Kurze Zeit darauf erhielt ich die Rückmeldung des Grossrats, die Sendeanlagen in der Lenk würden demnächst  definitiv abgestellt und erst im Kriegsfall wieder in Betrieb genommen. Seine Karte mit den roten Punkten, welche die ungewöhnlich hohe Zahl an Krebskranken dokumentierte, hatte offensichtlich ihre Wirkung nicht verfehlt.

Die Europa-Sendungen von Schweizer Radio-International wurden jedoch nicht eingestellt, sondern still und heimlich nach Schwarzenburg verschoben. Wo man zu diesem Zweck, ebenso still und heimlich die alten Rhombus-Antennen von 1939 aufgemotzt hatte.
Das kam dann 1997 aus, als das Baugesuch für die «Sanierung» des Kurzwellensenders Schwarzenburg öffentlich aufgelegt wurde, in welchem stinkfrech die Behauptung stand: In die kritische Senderichtung 5° Nord für Nordeuropa, über die in unmittelba5er Nähe gelegene Siedlung Elisried hinweg würde man niemals Senden und es sei auch nie in diese Richtung gesendet worden.


Bild oben: Jakob hatte sich inzwischen auch hochgerüstet und war in der Lage, mit einem der ersten HF-Messgeräte, die solches konnten, schöne Ganglinien auszudrucken. Die abgebildete Ganglinie vom 8.5.197 wurde 1km nördlich der aufgemotzten Rhombus-Antenne aufgenommen und zeigt die Sendung für Nordeuropa in Senderichtung 5°. Eine Sendung, die es angeblich nie gab und nie geben werde. Damit niemand sagen konnte, das sei eine einmalige Ausnahme für eine Stellvertretung gewesen, wurde die Messung noch während Monaten wiederholt.
Auf diese Weise konnten fast sämtliche Lügereien der Projektverfasser aufgedeckt werden.

Steilstrahlsender Sarnen.
Weil der Schweizerische Landessender Beromünster auf Mittelwelle 531kHz durch den Algerischen, der auf derselben Frequenz lief, erheblich gestört wurde, erbaute man 1973 in Sarnen OW ebenfalls einen mächtigen Steilstrahlsender, der am andern Ende der Mittelwellen-Frequenz-Skale irgendwo zwischen 1500 und 3000kHz das Land beglückte.
Obschon der Algerier trotz schwieriger diplomatischer Verhandlungen weiterhin ungedämpft auf derselben Frequenz von 531 kHz weiterlief, musste der Steilstrahler Sarnen 1992 abgeschaltet werden.

Was war geschehen?

Überlieferungen sprechen von riesigen Waldschäden und einer unheimlichen Zunahme von Krebsfällen bei der Anwohnerschaft. Weil dies unter keinen Umständen wahr werden durfte und die Anlage mit  militärischen Geheimhaltungsvorschriften belegt war, existieren darüber nur spärliche entsprechende Prsseberichte. Wir waren damals mitten im kalten Krieg und die radiophonische Propaganda lief auf Hochtouren.
Von der plötzlichen unerwarteten Abschaltung von Sarnen von 1992 erhielt ich erst nach meinem machhaltigen Besuch in der Lenk Kenntnis. Diese passt noch heute ausgezeichnet und nahtlos zu der Geschichte des Kurzwellensenders Schwarzenburg.

Von Hans-U. Jakob

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