Aus der Trickkiste akkreditierter Messfirmen

Recht oder Unrecht
Posted by Administrator (admin) on 01.01.1970
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Aus der Trickkiste akkreditierter Messfirmen

Beträgt an einem Ort empfindlicher Nutzung wie Schulzimmer, Krankenzimmer, Schlafzimmer oder Arbeitsplatz innerhalb eines Gebäudes die Strahlenbelastung über 80% des Anlage-Grenzwertes, muss nach Inbetriebsetzung durch eine sogenannt akkreditierte Messfirma nachgemessen werden, ob die bei der Baueingabe vom Mobilfunkbetreiber gemachten Angaben über die Strahlungswerte stimmen.

Hans-U.Jakob, 17.5.04

Bei den meisten lokalen Behörden herrscht immer noch der Irrglaube, je kürzer die Distanz zum Antennenmast, das heisst zum Antennenfuss sei, desto höher wäre die Strahlenbelastung. Dass man, um die Wahrheit zu erfahren, auf die gleiche Höhe wie die Sektor-Antenne hinaufsteigen müsste, ist den meisten unbekannt.

Unser Beispiel zeigt die Computersimulation des BAKOM einer Sektorantenne, die auf 25 m Höhe am Mast befestigt ist.



Strahlungsbild 3-dimensional von der Seite gesehen. Typisch die leicht abwärts gerichtete Strahlenkeule (braun)
Die verschiedenen Farben geben verschiedene Strahlungsstärken wieder.
Schwarz bedeutet: keine Strahlung
Dunkelblau: sehr schwache Strahlung
Hellblau: schwache Strahlung
Weiss: mittelmässige Strahlung
Grün: Starke Strahlung
Gelb: sehr starke Strahlung
Orange: stärkste Strahlung
Braun: allerstärkste Strahlung


Wie ein leicht abwärts gerichteter Scheinwerfer strahlt die Antenne also ins Land hinaus. Ist die braune Strahlenkeule 8° aus der Waagrechten nach abwärts gerichtet, ist das Zentrum mit der höchsten Strahlenstärke nach 166m am Boden unten, Dies ist in der Regel der Normalzustand bei einer Mobilfunkantenne.

Vom Überwachungszentrum aus kann dieser Winkel jedoch ferngesteuert bis auf 0 Grad hinauf verstellt werden. Wird von -8 auf -2° verringert, verschiebt sich das Zentrum des orange gefärbten Gebietes stärkster Strahlung von 166m auf 600m hinaus. Dazwischen geht die Strahlungsstärke markant zurück.

Dieses Phänomen wird nun von den meisten der akkreditierten Messfirmen in Zusammenarbeit mit den Mobilfunkbetreibern bei sogenannten Abnahmemessungen schamlos ausgenutzt.
Verschiedene von uns beurteilte Messprotokolle zeigen, dass bei Abnahmemessungen nicht mit dem projektierten Strahlungswinkel von -8° gemessen wurde, sondern dass die Mobilfunkbetreiber, in Absprache mit den Akkreditierten, jeweils auf -2° wenn nicht sogar auf 0° hinauffahren.

Was macht das für ein Gebäude auf einer Höhe von 7.5m und in einer Distanz von 122m zum Sendemast aus?
Sie werden es kaum glauben. In V/m gemessen, exakt die Hälfte weniger Strahlung.

Aber so weit draussen messen die Akkredierten schon gar nicht, weil sie sich da im Zentrum der Strahlenkeule befinden würden und das für ihre Auftraggeber nicht gerade vorteilhaft sein könnte. Also geht man lieber in Richtung Sendemast zurück und schlüpft schön unter die Keule hinunter.

Eine Keule auf -2°, eingestellt in einer Distanz von 96m gemessen, ergibt nämlich nur noch 1/3 dessen was auf 122m gemessen wurde.
Noch schöner wird es, wenn man noch näher geht, etwa auf 66m, wo ein schöner Teil der Strahlung von oben einfällt und durch die Betondecke gedämpft auf 1/10 dessen abfällt, was auf 122m draussen, unter offenem Fenster im 2. Stock, zu messen wäre.

Bei solchen Resultaten kommen die Behörden natürlich ins Schwärmen, weil man ihnen dauernd vorflunkert, die Strahlung würde ja mit der Distanz im Quadrat abnehmen und so weit draussen sei dann wirklich nichts mehr vorhanden.
Wir kritischen Messtechniker reden dann von denen, die das unbesehen glauben, etwa von sogenannten "Quadrateseln".

So wird das also gemacht in der schönen Schweiz:
Die Messvorschriften sind so gestaltet, dass ohne Zusammenarbeit mit den Mobilfunkbetreibern gar nichts geht. Angefangen von den verwendeten Frequenzen, bis hin zu der zur Zeit der Messung gefahrenen Sendeleistung zwecks Hochrechnung auf die bewilligte, muss alles per Handy erfragt werden. So wissen die Betreiber immer schön, wer wo was misst und können ihre Einstellungen entsprechend anpassen. Der beliebteste Trick dabei ist das Hochnehmen der Abstrahlungswinkel.
Aus historischen Gründen reden die kritischen Messtechniker hier vom sogenannten "Hemberger-Trick". Siehe auch unter:

Das strahlungsarm geschaltete Hemberg wird jetzt vermarktet (unter Historisches)

Vom Hemberger-Trick profitiert natürlich auch das ForumMobil, ein Verein der Mobilfunkbetreiber (Jahresbeitrag 1Million), welches zwecks "vertrauensbildender Massnahmen" und zwecks "Versachlichung der Mobilfunkdiskussion" mehrere Sonden in einem Quartier aufstellt und deren Werte auf einem gemeinsamen Monitor dem staunenden Publikum präsentiert. Nur weiss eben das staunende Publikum nicht, wie gut oder wie hinterlistig der Standort der Sonden ausgewählt worden ist. Sicher, je näher desto besser, denkt manch einer und fällt damit prompt auf die Nase, weil es kaum jemandem in den Sinn kommt, auch noch nach der Höhe der Sonde über Grund und nach dem eingestellten Abstrahlwinkel der gemessenen Antenne zu fragen. Auch wenn er diese Parameter wüsste, könnte er das schon gar nicht ausrechnen. Er müsste es einfach glauben, aber er täte es besser nicht!

Anmerkung:
Verwendetes Antennendiagramm: KT742234 GSM at 1805MHz

Was man auch noch wissen muss: Akkreditierte Messfirmen müssen ein Dokument unterschreiben, (Dokument 707 von METAS), dass sie die Resultate anderer akkreditierter Messfirmen niemals anzweifeln oder kritisieren, da sie sonst ihre Akkreditierung sofort verlieren.
Aus diesem Grund hat der Verfasser, obwohl er seinerzeit beim Schwarzenburger Kurzwellensender und an einem von Bundesamt METAS durchgeführten Genauigkeitswettbewerb die genauesten Messungen lieferte, auf eine Akkreditierung verzichtet und sich damit seine Unabhängigkeit bewahrt.

frühere Beiträge siehe unter:

Korruptionsskandal im Eidg. Justiz- und Polizeidepartement D (unter Recht oder Unrecht)

Korruptionsskandal im Eidg. Justiz- und Polizeidepartement F (unter Recht oder Unrecht)

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