Das Dosimeter – Ein Peut-êterli oder Ninüterli ?

Forschung und Technik
Posted by Administrator (yeti) on 12.10.2007
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Dosimeter sind Messgeräte, etwa in der Grösse eine Taschenuhr, vielleicht etwas grösser, die einem Probanden mitgegeben werden können, um angeblich zu ermitteln und aufzuzeichnen, wie stark die Strahlungsfelder sind, in welchen sich die zu messende Person in der vorprogrammierten Zeit aufgehalten hat.

Hans-U. Jakob, 12.10.07

Vom Peut-êterli zum Ninüterli
Wie bei allen Kleingeräten lässt die Messgenauigkeit jedoch enorm zu wünschen übrig.
Der einzige Hersteller, Preisklasse 6000 Franken, welcher sich überhaupt getraut die Messgenauigkeit zu publizieren gibt plus/minus 60% an. Das heisst ein zufällig gemessener Wert von  2V/m kann in Wirklichkeit eben so gut 3.2V/m oder nur gerade  0.8V/m sein.
Die andern Hersteller ziehen es vor, ihre technischen Daten im Internet nur via Passwort zugänglich zu machen...... 
Vollends in den Klee hinaus läuft derjenige Arzt, der gleichzeitig mehrere Dosimeter an mehreren Patienten laufen lässt.   Denn die Geräte des selben Herstellers weisen unter sich nicht etwa den selben Messfehler auf.  Es kann sein, dass ein Gerät an der unteren Geneaugkeitsgrenze läuft, und das andere Gerät des selben Herstellers an der oberen Grenze.
Das heisst, der Arzt zieht aus den zwei Aufzeichnungen völlig falsche Schlüsse zu der Elektrosensibilität seiner Patienten.    Im Fachjargon des Messtechnikers nennt man das, „in den Klee hinaus laufen“.

Eine neue Art von Volkstanz
Noch Schlimmer kommt es wenn wir zusätzlich die Körperdämpfung des Trägers des Dosimeters einbeziehen. Das Dosimeter misst nämlich nur diejenige Körperseite, auf welcher es getragen wird.   Die gegenüberliegende Seite könnte, je nachdem in welcher Richtung die Strahlenquelle liegt nochmals doppelt so hoch anzeigen oder nur gerade die Hälfte.   Dies, weil hochfrequente Strahlung, je höher die Frequenz (Schwingungszahl) ist, durch den menschlichen Körper nur noch schlecht oder überhaupt nicht mehr hindurchgeht.
Ein Dosimeterträger müsste also, wenn er das Gerät am Oberarm trägt, spätestens nach jedem 2. Schritt eine Drehung um 360Grad vollführen.   So in einer Art, neuem Volkstanz!
Als Lösung schlagen die Herren Lehmann und Knafl von der Swisscom vor, das Gerät in einem Hut zu installieren, wo Rundumsicht herrscht. Quelle: Comtec 06/05
Wenn Sie also einem Menschen begegnen der sich dauernd um die eigene Achse drehend vorwärts bewegt, oder im Restaurant und am Arbeitsplatz den Hut aufbehält, bitte nicht gleich die Polizei benachrichtigen, denn es handelt sich vielleicht nicht um einen Verrückten, sondern eventuell bloss um einen Dosimeterträger.

Das Kreuz mit den Durchschnittswerten
Wer eine Ganglinie (Aufzeichnungskurve) aus dem Dosimeter herausgeladen hat und betrachtet, tut vorerst einmal gut daran, die Aufzeichnungsintervalle zu studieren.  Diese können je nach Fabrikat oder Länge der Aufzeichnung zwischen 4 Sekunden und 4 Minuten betragen. Weil die Geräte nicht über einen unendlich grossen Speicher verfügen, nehmen sie jeweils den Durchschnittswert der letzten 4 Sekunden oder der letzten 4 Minuten und legen diesen als Datenpunkt in den Speicher.  Bei einem Menschen der sich bewegt, sind schon Intervalle von 4 Sekunden fragwürdig.   Denn zwischendurch, etwa dann wenn der Arm, an welchem sich das Dosimeter befindet, gerade hinter einem Metallgegenstand einer Mauer, einem Apparat oder einem andern Menschen verschwindet, geht der Wert schon mal bedenklich gegen Null und verschiebt den Durchschnittswert des letzten Messintervalles gewaltig nach unten, obschon am Kopf des Probanden vielleicht viel höhere Werte geherrscht haben.
Erst recht unbrauchbar werden dann Intervallwerte von 4 Minuten.(!)   Man bedenke welche Distanzen ein moderner, gestresster Mensch innerhalb von 4 Minuten jeweils zurückzulegen hat.
Buchstäblich neben den Schuhen wären demnach die aufgezeichneten Werte, wenn das Dosimeter etwa gar an einem Bein, das heisst am Unterschenkel getragen würde.

Das Dosimeter als Zufallsgenerator
Kommt dazu, dass  Signale von GSM-Mobilfunksendern dauernd zwischen 50 und 100% pendeln, bei UMTS zwischen 20 und 100%.   Eine Spitzenwerterfassung durch das Dosimeter  wäre demnach reine Glücksache.  Das heisst, das Dosimeter verkommt zum Zufallsgenerator.
Gewisse Software-Tools geben am Schluss noch einen Durchschnittswert über die vorgewählte Aufzeichnungsdauer aus.   Zu beachten gilt es hier, dass es sich um einen Durchschnitsswert aller Durchschnitte aus den Messintervallen handelt und dass das Dosimeter dabei überhaupt keine Spitzenwerte erfasst hat.  

Geländevermessung unmöglich
Verschiedentlich wurde versucht, mittels einem Dosimeter ein ganzes Quartier zu vermessen und eine Art Katasterplan zu erstellen.
Die Werte in einem Wohnquartier mit einem Marsch auf der Fussgängerebene zu vermessen ist völliger Nonsens.  Denn mit zunehmender Höhe ab Boden, nimmt die Strahlung sehr schnell  zu.  Als Faustregel gilt, dass sich die Werte auf der Senderseite des Hauses gemessen,  bei jedem Stockwerk nach oben hin verdoppeln.    Wenn unten auf dem Trottoir 0.2V/m herrschen, sind das im 1. Stock schon 0.4V/m, im 2. Stock 0.8V/m, im 3.Stock 1.6Vm, im 4. Stock 3.2V/m und im 5. Stock, falls vorhanden, bereits 6.4V/m.   Dies ist nur ein Rechnungsbeispiel, welches je nach Distanz zum Sender und dessen Sendeleistung in den Grundwerten ändert.  Das Zahlenmuster bleibt jedoch gleich.

Abenteuerlich
Wenn die mit dem Dosimeter erhobenen, fragwürdigen Durchschnittswerte der Messintervalle nochmals über eine lange Zeitdauer gemittelt , etwa noch mit den Immissions- oder Anlagegrenzwerten verglichen werden, wird es vollends abenteuerlich.
Denn Kontrollmessungen zur Kontrolle der Grenzwerteinhaltung müssen laut behördlichen Messvorschriften ganz anders erfasst werden.  Das heisst, am höchsten Punkt des Hauses, wo sich Menschen aufhalten, auf der dem Sender zugekehrten Seite und bei offenem Fenster, 1.5m ab Fussboden.   Wobei das Messgerät in der Peak-Hold Funktion, das heisst in die Messart mit eingefrorenen Spitzenwerten gebracht werden muss. Dabei ist die Messantenne wegen allfälligen Reflektionen erst noch in alle Richtungen zu schwenken.
Dann müssen, weil auf diese Art nur die Spitzen der Steuerkanäle erfasst worden sind, diese erst noch auf volle Leistung der Verkehrskanäle hochgerechnet werden.   Das heisst (in V/m gemessen) bei GSM mit Faktor 2 und bei UMTS mit Faktor 8.5 multipliziert werden.

Fazit:
Aus all diesen Erkenntnissen heraus ist es nicht verwunderlich, dass das Dosimeter zu einem überaus beliebten Spielzeug der Verhamloser, vorab der Mobilfunkbetreiber geworden ist.
Die Aufzeichnungen (Ganglinien) aus der Dosimetrie mögen dem Uneingeweihten auf den ersten Blick sicher schwer zu beeindrucken.  Dem Fachmann dagegen sträuben sich ob den Tausenden und Abertausenden von verharmlosenden Fehlmessungen, die sich da auf einem einzigen A4-Blatt tummeln, sämtliche noch verbliebenen Haare.
Es verwundert einem deshalb kaum, dass die verharmlosende Dosimetrie auch in das nationalen Forschungsprogramm NFP-57 aufgenommen worden ist.   Denn das ist nun wirklich ein probates Mittel, um ahnungslose Bürgerinnen und Bürger sowie sämtliche Behörden hinters Licht zu führen.  Ein sogenannter Workshop zur Dosimetrie im NFP-57 Programm ist bereits auf den 11.Januar 08 im Hotel Zürichberg angesagt, wo man die anstehenden Probleme unter linientreuen Koryphäen diskutieren will......

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