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| Posted by Administrator (admin) on 01.01.1970 |
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Längenberger-Hochspannungskrimi
Da wo die Schweiz am schönsten ist, wollen die Bernischen Kraftwerke AG ihre Hochspannungsleitung von Wattenwil nach Mühleberg ganz massiv verstärken. Im Bild ein bestehender "bescheidener" Mast oberhalb der Gutenbrünnenfluh. Die Neuen werden um 30 bis 60% höher und sollen 7 bis 10mal höhere Ströme (in Ampère) führen. Dadurch entstehen immense Magnetfelder, welche die Gesundheit der Anwohner gefährden. Bild IG-UHWM
Was bisher geschah und wie es weitergeht
Eine Zusammenfassung von Hans-U. Jakob, Gigaherz.ch vom 17.7.04
Herbst-Winter 2003
Die Bevölkerung erfährt erstmals vom Projekt der Bernischen Kraftwerke AG.- die Hochspannungsleitung von Wattenwil nach Mühleberg massiv hochzurüsten und zwar von 130Kilovolt/160Ampère pro Strang auf 240Kilovolt/1500Ampère pro Strang.
Den betroffenen Landwirten und Anwohnern wird suggeriert es handle sich lediglich um eine Auswechslung der 60-jährigen, teilweise angerosteten Masten. Ahnungslos und gutgläubig werden Durchleitungsverträge mit geradezu lächerlichen Entschädigungssummen verlängert.
Dass sich die gesundheitsschädigenden Magnetfelder um das 7 bis 10-Fache erhöhen, und bis über 300m seitlich der Leitung wirken, wird den Landbesitzern und Anwohnern eisern verschwiegen.
Am 15.1.04 erfolgt die offizielle Planauflage auf den Gemeindeschreibereien.
Dabei befindet sich auch ein sogenannter, von den BKW bestellter und bezahlter Umweltverträglichkeitsbericht eines privaten, gewinnorientierten Institutes.
Sowohl Gemeinden wie Landbesitzer, wie die übrigen Anwohner sind mit der Materie überfordert. Die Fachstelle nichtionisierende Strahlung von Gigaherz.ch wird mehrfach um Hilfe gebeten.
Eine erste Sichtung ergibt, dass der Umweltverträglichkeitsbericht gezinkt ist und Magnetfelder für Ströme von 1000 Ampère statt 1500Ampère als Grundlage nimmt und dass in den Photomontagen die Masten um 30 bis zu 60% zu klein eingetragen, und die Linienführung in den Photomontagen nicht derjenigen auf den Plänen entspricht.
Nach den aufgelegten Plänen werden Masten teilweise von heute 30 bis 40m auf neu 70 bis 95m erhöht.
Im Umweltverträglichkeitsbericht steht auch nichts über gesundheitliche Risiken.
Es steht da nur, dass die Grenzwerte überall eingehalten seien. Als Grundlage für diese Behauptung dienten jedoch wiederum Ströme von 1000 statt der möglichen 1500Ampère.
Wegen diesen Risiken (bis zu 5-fachem Krebsrisko) müssen die Dörfer Kirchenthurnen, Rümligen und Oberscherli neu umfahren, statt wie bisher durchfahren werden. Auf Einzelhöfe und Weiler wird keine Rücksicht genommen. Denn nach Ansicht der Gerichte, bis hinauf zum Bundesgericht, hat die Bevölkerung kein Anrecht auf ein Nullrisiko und Grenzwerte seien nur dazu da, die Schäden in vertretbaren Grenzen zu halten. Mit der Umfahrung der obgenannten Dörfer können die nach BECO (früher KIGA) erlaubten Planungswerte von 10% erkrankten Anwohnern knapp eingehalten werden.
Aber die Umfahrung führt in Kirchenthurnen-Rümligen durch ein geschütztes BLN-Gebiet.
BLN heist: Im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung. Und dieses Gebiet soll mit Masthöhen bis zu 80m verunstaltet werden.
Zwei Highligts: Die erforderliche grossflächige Waldrodung in der Weiermatt, oberhalb Rümligen, wird im Umweltverträglichkeitsbericht kurzerhand in eine Waldrandaufwertung umgewandelt und als Ersatzmassnahme für 80m hohe Masten im BLN-Gebiet wird die Eliminierung einiger weniger 12m Holzmasten (16kV-Freileitung) an der Bütschelegg angeboten.
02.02.2004 Öffentlicher Orientierungsabend auf der Bütschelegg
Die BKW weigern sich daran teilzunehmen. Grund: Sie wollen erreichen, dass das vorgesehene Referat von Gigaherz.ch gestrichen wird und sie wollen auch nicht mit Fachleuten von Gigaherz.ch diskutieren. Deshalb findet der Abend ohne die BKW statt. Das stand auch so auf der Einladung. Erwartet werden 30 Personen. Es kommen aber trotz hochwinterlichen Verhältnissen gegen 300. Der Wirt ist ein Improvisationstalent. In der warmen Stube finden nach einer Verspätung von 25 Minuten alle Platz.
Hier wird erstmals das System der gasisolierten, magnetfeldfreien Bodenleitungen von Siemens, GIL genannt, vorgestellt.
26.02.2004 Gründung der Interessengemeinschaft IG-UHWM
Wiederum bei hochwinterlichen Verhältnissen und vereisten Strassen findet in einer Tierarztpraxis auf dem Längenberg die Gründung der Interessengemeinschaft "Umweltverträgliche Hochspannungsleitung Wattenwil-Mühleberg" statt.
Gigaherz.ch steht Pate, liefert Statutenentwurf und manche praktische Hinweise für diese Vereinsgründung nach ZGB Art 60ff.
Der neue Verein wächst fast explosionsartig innert kürzester Zeit von 12 auf 400 Mitglieder an. Gegen das Projekt sind unterdessen auch 300 Einsprachen eingegangen. Viele davon nutzten den Normtext auf der Homepage von Gigaherz.ch.
29.03.2004 Orientierung über Dienstbarkeitsverträge auf der Bütschelegg
Unterdessen hat auf dem Längenberg Tauwetter eingesetzt. Die neugegründete IG-UHWM lädt alle betroffenen Landeigentümer zu einem Fachgespräch ein, bei welchem von der IG engagierten Rechtsanwälte aufzeigen, wie die von den BKW übers Ohr gehauenen Grundbesitzer aus bereits unterzeichneten Dienstbarkeitsverträgen (Durchleitungsrechte) aussteigen können. Dies ist infolge gewaltiger Formfehler der BKW leicht möglich.
27.4.2004 Die BKW werden zunehmend nervöser und wollen ein Vorstandsmitglied der IG-UHWM verhaften lassen.
Sie wählen dazu den Weg über den fürsorgerischen Freiheitsentzug und behaupten sie würden von diesem Vorstandsmitglied mit Schusswaffen bedroht. Der als überaus wirtschaftsfreundlich bekannte Regierungsstatthalter von Seftigen in Belp macht das üble Spiel mit und stellt den Haftbefehl aus, obschon er als Vertreter der Berner Regierung, die im Besitz von 58% der BKW-Aktien ist, hätte in den Ausstand treten müssen.
Es riecht förmlich nach Amtsmissbrauch. Der Gemeindepräsident und der Präsident der IG-UHWM sind jedoch schneller als die aufgebotene Polizei vorort und können diese von der Unrechtmässigkeit des Vorhabens überzeugen.
Zusätzlich zu diesen Umtrieben versucht die BKW auch noch einen Maulwurf in die IG-UHWM einzuschleusen. Welcher jedoch rasch entdeckt und unschädlich gemacht werden kann.
25.05.2004 Orientierung der Gemeinden auf der Bütschelegg
Aber auch sonst sind die BKW nicht untätig geblieben. Sie besuchen zusammen mit den Verfassern des gezinkten Umweltverträglichkeitsberichtes in allen 8 betroffenen Gemeinden die Gemeinderäte und versuchen "Einzelabschlachtung" zu betreiben. Gigaherz.ch und andere kritische Fachleute werden kategorisch von den Gesprächen ausgeschlossen.
Siemens wird von den BKW so unter Druck gesetzt, dass diese eine Proforma-Offerte für gasisolierte unterirdische Leitungen ausarbeiten, die 10 bis 12 mal teurer ist, als die geplante Gittermasten-Freileitung.
Die BKW sind vom Pech verfolgt.
Zur gleichen Zeit hält Siemens nämlich an der Ingenieurschule Freiburg (CH) Vorträge und stellt den verblüfften Studenten magnetfeldfreie GIL-Leitungen als nur 3 mal teurer als Freileitungen vor. Lügen haben oft sehr kurze Beine.
Um diese alte Weisheit zu zelebrieren, und die Desinformationen der BKW richtigzustellen, werden die zuständigen Gemeinderäte am 25.05. nochmals zur Orientierung auf der Bütschelegg eingeladen.
Hier konnten erstmals die Stiftung für Landschaftsschutz und der Berner Heimatschutz ihre Einsprachen gegen das BKW-Projekt eingehend erläutern. Auch Gigaherz.ch konnte nochmals über Gesundheitsschäden durch niederfrequente Magnetfelder referieren und die Desinformationen der BKW zu den Preisen und den Magnetfeldern der unterirdischen GIL-Leitungen richtigstellen.
Selbstverständlich haben sich die BKW auch diesmal geweigert, an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen. Dafür verschicken sie zur Zeit jede Menge Propagandazeitschriften mit wunderschönen Landschaftsbildern in alle Haushaltungen. Selbstverständlich ohne hässliche Hochspannungs-Freileitungen.
Angesichts so vieler Falschaussagen der BKW muss man sich schon ernsthaft fragen, wie ehrlich die Reklame für den teuren Oekostrom aus Wasserkraftwerken ist, welcher da angeboten wird. Es könnte sich ja ebensogut um billig in Frankreich eingekauften Atomstrom handeln, welcher da BKW-reingewaschen an die Haushaltungen verteilt wird. Wer kontrolliert denn das ? Wer wohl wer?
Wie geht es weiter?
Nach den Sommerferien sollen Einspracheverhandlungen stattfinden. Die Verhandlungen werden vom Eidg. Starkstrominspektorat ESTI geführt. Das ESTI wird im Auftrag der Eidgenossenschaft vom Verband der Schweizer Elektrizitätswerke geführt und kann deshalb als "besonders neutral" bezeichnet werden.
Kann da keine Einigung erzielt werden, was schon jetzt angenommen werden darf, muss das ESTI das ganze Verfahren dem Bundesamt für Energiewirtschaft übertragen, welches nochmals alles von vorne aufrollen darf. In dieser ersten Instanz eigentlich eine unnützes Cabaret. Zur Auflockerung und als Lehrstück darüber, wie die Bevölkerung für dumm verkauft werden sollte, vielleicht doch noch ganz interessant.
Als 3.Instanz kommt die Beschwerdekommission des UVEK und erst an 4.Stelle das Bundesgericht. Der Baubeginn der Hochspannungsleitung ist damit in weite Ferne gerückt.
Es sei denn, die BKW entschliesse sich zu einer Pioniertat und schwenke auf das System der gasisolierten, magnetfeldfreien Bodenleitung um.
Der Verein IG-UHWM mit seinen 400 Mitgliedern ist selbständig geworden und benötigt, ausser vielleicht einigem technischen Support, keine Führungshilfe von Gigaherz.ch mehr. Der Verein führt ab sofort unter http://www.ig-uhwm.ch eine eigene lesenswerte Internetseite. Gigaherz.ch wird deshalb nur noch in ganz aussergewöhnlichen Fällen vom Längenberg berichten, obschon diese Region, mit dem aus gesundheitlichen Gründen abgebrochenen Kurzwellensender Schwarzenburg, der eigentliche Geburtsort von Gigaherz.ch ist.
Abschliessend kann nur noch festgestellt werden: Weder die oberste Landesbehörde, noch die Wirtschaft, noch die Stromhändler haben aus dem Debakel um den Kurzwellensender etwas gelernt. Ihr Verhalten ist genau dasselbe geblieben, wie vor 15 Jahren.
Interne Links zu den Details der Vorgeschichte
Mustereinsprache 240kV-Hochspannungsleitung in Rümligen BE (unter Recht oder Unrecht)
Kritik und Mängelliste an Planauflage und Umweltverträglichkeitsbericht zum Projekt 220kV-Hochspannungsleitung Wattenwil-Gasel-Mühleberg (unter Recht oder Unrecht)
Längenberger Retourkutsche für die BKW (unter Recht oder Unrecht)
Hochspannungsleitung Wattenwil-Mühleberg - Der Widerstand formiert sich (unter Aufrufe und Aktionen)
Hochspannungsleitung Wattenwil-Mühleberg: BKW-Direktion und Regierungsstatthalter manöverieren sich ins Abseits (unter Recht oder Unrecht)
Und hier geht es direkt auf den Längenberg zu der neuen Internetseite der IG-UHWM
www.IG-UHWM.ch
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